Ein Umzugsangebot ist schnell geschrieben – und noch schneller falsch kalkuliert. Der Unterschied zwischen Gewinn und Draufzahlen liegt fast immer in den Informationen, die du vor dem Angebot sammelst. Hier ist die komplette Checkliste.
Warum sich Umzugsfirmen so oft verschätzen
Beim Umzug gibt es zwei Kostentreiber, die auf den ersten Blick unsichtbar sind: das tatsächliche Volumen und die Wege. Ein „3-Zimmer-Umzug" kann 25 m³ bedeuten oder 45 m³ – je nachdem, ob Keller, Dachboden und Garage dazugehören. Und dieselben 30 m³ können vier Stunden dauern (Erdgeschoss, LKW vor der Tür) oder acht (4. Stock, kein Aufzug, 80 Meter Trageweg).
Wer diese Faktoren nicht systematisch abfragt, kalkuliert mit Glück. Und Glück ist keine Geschäftsstrategie.
Die Checkliste: Das gehört in jede Umzugsbesichtigung
1. Das Umzugsgut – Raum für Raum
- Jeden Raum einzeln erfassen: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, Flur
- Nicht vergessen: Keller, Dachboden, Garage, Gartenhaus, Abstellräume
- Fotos aus zwei Ecken pro Raum – daraus lässt sich das Volumen gut schätzen
- Was wird nicht mitgenommen? (Spart Volumen, muss aber klar vereinbart sein)
2. Besondere Gegenstände
- Klavier, Flügel, Tresor, Aquarium, Fitnessgeräte – alles mit Extra-Aufwand
- Antiquitäten und empfindliche Möbel (Versicherung, Verpackung)
- Was muss demontiert und montiert werden (Schränke, Betten, Lampen, Küche)?
- Elektrogeräte: Wer klemmt Waschmaschine und Herd ab?
3. Die Wege – an beiden Adressen
- Stockwerk und Aufzug (Größe des Aufzugs – passt ein Schrank hinein?)
- Trageweg von der Tür bis zum möglichen LKW-Stellplatz
- Halteverbotszone nötig? (Vorlauf für die Genehmigung einplanen!)
- Enge Treppenhäuser, Wendeltreppen, niedrige Durchgänge
- Bei Einzug: Ist der Weg im Neubau schon frei zugänglich?
4. Service-Umfang
- Einpackservice komplett, teilweise oder gar nicht?
- Packmaterial: Wer stellt Kartons, wann werden sie geliefert?
- Entsorgung von Altmöbeln oder Sperrmüll?
- Einlagerung nötig (Zwischenlager, Dauer)?
5. Rahmendaten
- Wunschtermin und Flexibilität (Wochentag oft günstiger)
- Erreichbarkeit des Kunden am Umzugstag
- Besonderheiten: Haustiere, Kinder, Nachbarn, Parkplatzsituation
Profi-Tipp: Die teuersten Fehler stecken fast immer in Punkt 1 und 3 – vergessene Räume und unterschätzte Wege. Genau dort lohnt sich Gründlichkeit doppelt.
Papier-Checkliste oder App?
Diese Checkliste funktioniert auf Papier – mit zwei Schwächen: Erstens musst du bei jedem Termin daran denken, alle Punkte abzuarbeiten. Zweitens liegen die Antworten danach auf einem Zettel, den du beim Angebot (und beim Umzug drei Wochen später) erst wiederfinden musst.
In einer Besichtigungs-App wie TrueVisit sind die Fragen fest hinterlegt: Legst du eine Besichtigung mit der Dienstleistung „Umzug" an, fragt die App automatisch nach Stockwerk, Aufzug, Trageweg und Co. Die Fotos machst du Raum für Raum direkt in der App – und am Ende steht eine PDF mit allem, auf deren Basis du kalkulierst. Wie das genau aussieht, zeigt die Branchenseite für Umzugsunternehmen.
Wenn der Kunde zu weit weg wohnt
Nicht jede Anfrage rechtfertigt eine Anfahrt – gerade bei Fernumzügen oder kleinen Wohnungen. Für diese Fälle gibt es den Kundenlink: Der Kunde geht mit seinem Handy durch die Wohnung, fotografiert die Räume und beantwortet dieselben Fragen aus der Checkliste. Du bekommst die komplette Grundlage – ohne einen Kilometer zu fahren.
Fazit
Ein gutes Umzugsangebot beginnt nicht in der Angebotssoftware, sondern bei der Informationssammlung. Wer die fünf Bereiche dieser Checkliste konsequent abarbeitet – Umzugsgut, Besonderheiten, Wege, Service, Rahmendaten – kalkuliert sicher und erlebt am Umzugstag keine Überraschungen. Und wer die Checkliste in eine App verlagert, muss nicht mal mehr daran denken.