Bei kaum einer Dienstleistung liegen Angebot und Realität so oft auseinander wie bei der Entrümpelung. Der Grund: Man verkauft die Katze im Sack – wenn man nicht richtig hinschaut. So kalkulierst du Entrümpelungen, ohne draufzuzahlen.
Die vier Faktoren, die den Preis bestimmen
1. Das Volumen (und zwar das echte)
Die Grundeinheit jeder Entrümpelung ist der Kubikmeter. Das Problem: Räume täuschen. Ein „halb voller Keller" hat je nach Deckenhöhe und Stapeldichte 5 oder 15 m³. Deshalb: jeden Raum einzeln ansehen, fotografieren und schätzen – nicht die Wohnung „insgesamt". Faustregeln aus der Praxis:
- Normal möblierter Raum (20 m²): ca. 8–12 m³
- Vollgestellter Keller oder Dachboden: schnell 15–25 m³
- Messie-Wohnungen: alle Regeln vergessen, doppelt Zeit einplanen
2. Die Zusammensetzung
Möbel und Hausrat sind der einfache Teil. Teuer wird der Rest: Farben, Lacke, Öle, Elektrogeräte, Reifen, Bauschutt – alles Sondermüll mit eigenen Entsorgungskosten. Ein einziger Raum voller Chemikalien kann den Gewinn der ganzen Baustelle fressen, wenn er nicht im Angebot steht.
3. Die Zugänge
- Etage und Aufzug: 4. Stock ohne Aufzug = doppelte Tragezeit
- Containerstellplatz: direkt vorm Haus oder 50 Meter entfernt?
- Enge Treppen, kleine Türen: Müssen Möbel zerlegt werden?
4. Die Extras
- Besenreine Übergabe gewünscht?
- Sollen bestimmte Gegenstände erhalten und übergeben werden?
- Wertanrechnung: Gibt es Verwertbares, das den Preis senkt?
- Termindruck (Wohnungsübergabe!) – Expresszuschlag fair kommunizieren
Die Besichtigung: dein wichtigstes Kalkulationswerkzeug
Alle vier Faktoren siehst du nur vor Ort – oder auf guten Fotos. Deshalb gilt: keine Entrümpelung ohne Besichtigung. Der bewährte Ablauf:
- Jeden Bereich einzeln erfassen: Wohnung, Keller, Dachboden, Garage, Garten
- Pro Bereich: Übersichtsfotos plus geschätzte Kubikmeter als Notiz
- Gezielt nach Sondermüll fragen und Verdachtsecken fotografieren
- Zugänge dokumentieren: Treppenhaus, Aufzug, Containerstellplatz
- Vereinbarungen festhalten: Was bleibt, was geht, was wird übergeben
Mit einer strukturierten Besichtigung per App hast du danach eine PDF mit allen Fotos und Angaben – deine Kalkulationsgrundlage und gleichzeitig dein Beleg, falls der Kunde später sagt, „so voll war der Keller doch gar nicht". Wie das für Entrümpler aussieht, zeigt die Branchenseite Entrümpelung.
Sonderfall: Die Erben wohnen weit weg
Bei Haushaltsauflösungen sitzt der Auftraggeber oft hunderte Kilometer entfernt. Statt auf gut Glück hinzufahren oder blind zu kalkulieren, lass die Angehörigen das Objekt per Kundenlink selbst erfassen: Sie fotografieren beim nächsten Besuch jeden Raum und beantworten deine Fragen. Du bekommst ein vollständiges Bild – und kalkulierst von deinem Schreibtisch aus.
Preisgestaltung: transparent gewinnt
Kunden vergleichen bei Entrümpelungen fast immer mehrere Angebote. Wer seinen Preis nachvollziehbar aufbaut – Volumen, Entsorgung, Arbeitszeit, Extras – wirkt seriöser als der Billigste mit Pauschalpreis. Und mit der Besichtigungs-PDF im Anhang zeigst du: Dieser Preis basiert auf einer echten Aufnahme, nicht auf Raterei.
Fazit
Entrümpelungen kalkulieren heißt: hinschauen, dokumentieren, systematisch schätzen. Wer Volumen, Zusammensetzung, Zugänge und Extras sauber erfasst, gibt Angebote ab, die halten – und schreibt am Ende des Monats schwarze Zahlen statt Lehrgeld.